Insider-
Leitfaden
für SM-Paare

Wenn die Sklavin im Hundekörbchen schläft

von Andrea Beu, kommentiert von Miss Kaya Mia

Wie die Autorin im Vorspann dieses recht ergiebigen Artikel stated, kann auch ich bestätigen dass BDSM immer stärker auf dem Vormarsch zu sein scheint bzw. praktisch auf dem Weg zum „Mainstream“ ist. Viele unserer Gäste im SK Kabinett sind traditionell „Anfänger“ die das auch ganz offen sagen und darum bitten, behutsam in die Materie eingeführt zu werden. Auch melden sich nun öfters Paare, die für ein paar Stunden die Location, das Ambiente, die „Spielzeuge“ und die Erfahrung einer Expertin nutzen möchten.

Auch aus diesem Grund habe ich mich mit dem Artikel von Frau Beu ein wenig beschäftigt. Lest selbst 🙂

SM-Paar nicht nur aus, aber mit Spaß: Dominik Schenk und Devina Weiss.

SM-Paar nicht nur aus, aber mit Spaß: Dominik Schenk und Devina Weiss.

„Shades of Grey“ ist ein Bestseller, Popstars spielen mit SM-Zubehör, Lack und Leder und auch der Film „Venus im Pelz“ hat das Spiel um sexuelle Dominanz, Macht und Unterwerfung zum Thema. Aber wie ist es eigentlich mit SM im Alltag? Wie streitet ein Paar, wenn sie die Sklavin ist und er ja doch immer recht hat?

Wenn man sich so umschaut und umhört, kann man den Eindruck gewinnen, Sadomaso, Fetischmode und freier Partnerwechsel seien Mainstream geworden. SM ist jedenfalls kein Tabuthema mehr: Der Bestseller „Shades of Grey“ mit seinen Schilderungen von BDSM-Praktiken hat sich weltweit viele Millionen Male verkauft und ist in aller Munde. Frauenzeitschriften geben neben Back- und Stricktipps Ratschläge, wie man mit SM-Spielzeug und Fetischmode sein Sexleben auffrischen kann. Popsängerinnen wie Rihanna oder Lady Gaga treten in Fetisch-Outfits auf und spielen mit SM-Zubehör während ihrer Shows. [Miss Kaya Mia: letztens kam tatsächlich ein Gast, der fragte, ob eine der Damen im SM Kabinett so einen „Lady Gaga Stil“ Outfit hätte – das würde ihn total anmachen …]

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Knebel rein, dann ist Ruhe.(Foto: www.fotomotor.de)

Und Roman Polanskis neuer Film „Venus im Pelz“basiert auf einer Novelle von Leopold von Sacher-Masoch, jenem Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, der dem Masochismus seinen Namen gab.

Er thematisiert das Spiel von Macht und Unterwerfung, sexueller Dominanz, dem Kräftemessen zwischen Mann und Frau: Ein junger Mann dient einer Witwe als Liebessklave und ergibt sich mit lustvoller Selbstunterwerfung ihrer sadistischen Dominanz. Allerdings nur auf Probe.

Dom und Sub 24/7

Wie ist es aber, wenn aus der Probe, aus der Ausnahme Alltag wird? Wenn sich die Frau dem Mann als Sub, als Sklavin unterwirft, wenn er ihr Herr, ihr Dom wird? Und zwar nicht nur mal bei einer Party, sondern immer? Devina Weiss und Dominik Schenk sind so ein SM-Paar, sie leben das 24/7, also rund um die Uhr. Sie redet ihn mit dem königlichen „Euch“ an, er teilt ihr das Essen zu. Sie trägt ein Hundehalsband und schläft im Hundekörbchen, wenn er das will, und die Wäscheklammern kommen nicht nur an die Leine, sondern an ihre Zunge, Zehen und wo es sonst noch weh tut.

[Miss Kaya Mia: weitaus häufiger erleben wir im Studio die andere Spielart: der männliche Sklave, der im wahren (?) Leben eine Respektsperson darstellt – Polizist, Rechtsanwalt, Finanzberater, Arzt – möchte einen Keuschheitsgürtel verpasst bekommen und abends in den Keller gesperrt werden wo er dann irgendwo auf dem Boden schlafen muss, aber auch nur weil er dort leider keinen eigenen Käfig hat (Weihnachtsbaum?)]

Aber sie haben daneben auch einen (fast) normalen Alltag – sie gehen arbeiten, zum Sport, einkaufen, mit Freundinnen ins Kino. Und sie haben Eltern. Wie erklärt man denen das? Tut man das überhaupt oder lässt man das lieber sein? Und wie streitet man sich, wenn einer immer recht hat, in dieser Konstellation also er als Dom? (Die andere Variante – sie dominant, er devot – gibt es natürlich auch, aber sie ist nach Aussage der Autoren nicht so häufig bei 24/7-Paaren.) Wie groß darf der Schmerz, wie hart die Strafe sein, dass sie es noch geil findet?

[Miss Kaya Mia: das ist ein ganz wichtiger Punkt, und auch der beste und häufigste Grund warum interessierte Anfänger die Beratung einer Expertin / Experten suchen sollten. Wenn man „einfach mal so loslegt“ geht es meistens schief und der devote Part ist dann enttäuscht bis frustiert und schon ist der Zauber verflogen. Schade! Unter der richtigen Anleitung könnte das ganze zur schönsten und geilsten Erfahrung Eures Lebens werden.]

Ein Kapitel – zwei Sichtweisen

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Der dominante Dominik wird – natürlich – von der devoten Devina bedient. Gern auch in „Fick-mich-Stiefeln“.(Foto: www.fotomotor.de)

Diese und viele andere Fragen, die sich dem SM-Laien und -Anfänger auftun, versucht das Paar in seinem bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienenen Buch „Liebe auf den ersten Hieb – Ein SM-Leitfaden für Paare“ zu beantworten, und zwar aus beiderlei Sichtweisen: Die einzelnen Kapitel bestehen
jeweils aus zwei Teilen, seinem und ihrem. Dadurch ergeben sich einige Wiederholungen, die bleiben jedoch die Ausnahme – meist erfährt man auf diese Art, wie er über die einzelnen Themen denkt und was sie dazu zu sagen hat. (Und sie sind durchaus hier und da anderer Meinung.)

In den Kapiteln geht es um Dinge wie „Die richtige Anrede und die Sache mit dem Halsband“, „Wie sieht es mit den Grenzen aus und was ist ein Safewort?“, „Was ist eine gute Strafe?“ und „Ein Ausflug in den Baumarkt – Welches Spielzeug darf es sein?“. In letztgenanntem Abschnitt erzählen beide, dass sie sich die oft sehr teuren Spielzeuge aus den Sexshops sparen und häufig zu ganz normalen Alltagsdingen wie Kochlöffel, Tennisschläger, Drahtbürste oder Kabelbinder greifen. Und der Autor bekennt, nicht mehr durch einen Baumarkt gehen zu können, ohne einen Ständer zu bekommen – weil er immer daran denken muss, wozu man das alles verwenden kann …

[Miss Kaya Mia: solche Themen sind auch in meiner Anfänger-Einführung behandelt, obwohl sie in diesem Buch doch recht lustig beschrieben sind 🙂  Dennoch möchte ich hier ein wenig widersprechen: „Spielzeuge“ aus dem Baumarkt kann ich nicht empfehlen und das uneingeschränkt! Die Verletzungsgefahr ist nicht zu unterschätzen, auch weil keine Anleitung dazu verfügbar ist (Baumarktartikel wurden nicht für BDSM-Zwecke konstruiert oder hergestellt). Euer Hygiene könnte kompromittiert werden, außer Ihr steht auf z.B. Maschinenöl SAE-90 in Euren diversen Körperöffnungen. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege…hier und da ein Spreißel von rohem Holz, dort wo es RICHTIG weh tut… die Qualen sind schon erste Sahne… ]

Buch als Paartherapie (Foto: Moritz Thau)

Buch als Paartherapie
(Foto: Moritz Thau)

Anlass für die Autoren, das Buch zu schreiben, war folgender: Sie hätten sich in ihrer Anfangszeit selber so einen Ratgeber gewünscht, danach aber vergeblich gesucht.

[Miss Kaya Mia: stimmt, damals war meine Website noch nicht online 🙁 ]
So hätten sie eine Angebots-Lücke erkannt und hoffen, diese erfolgreich zu füllen. Und dass es Lesern hilft, typische Fehler zu vermeiden und Probleme zu lösen. Zudem wollten sie zeigen, wie viel Spaß man an SM haben und „welch schöne Reise SM sein kann“. Für Dominik und Devina hatte das Schreiben zudem noch einen angenehmen Nebeneffekt: „Eine bessere Paartherapie als so ein Buch gibt es nicht! Wir haben uns noch einmal völlig neu kennengelernt und viel Interessantes über den anderen erfahren. So war es für mich besonders erhellend zu erfahren, was Devina so durch den Kopf geht, während sie gefesselt irgendwo liegt. In solchen Momenten kann sie nicht wirklich etwas dazu sagen, meist ist sie dabei ja geknebelt“, beschreibt Dominik seinen Lerneffekt.

Ihre SM-Reisebeschreibung verläuft nicht ohne Widersprüche – etwa, wenn Devina von ihrem Traum erzählt, in dem Dominik ihre Stiefel leckt, und wie sie dabei das Gefühl genoss, ihn zu unterwerfen. Wo sie doch sonst immer betont, wie gern sie Sklavin ist, wie sie ihre devote Position liebt. Immerhin schreibt sie: „Ich habe schnell gemerkt, dass es mir nicht ausreicht, nur im Bett Sklavin zu sein, um dann den restlichen Tag nicht mehr mit meinem Herrn zu verbringen. Für mich ist Devotion ein Teil von mir wie jede andere meiner Eigenschaften.“ Aber sie bedauert, dass sie neue Spielzeuge nie an ihm ausprobieren darf – „wahrscheinlich hat er Angst, mir damit die Gelegenheit zu geben, mich einmal ausgiebig an ihm zu rächen.“ Wofür rächen – wenn seine Dominanz, seine Herrschaft, seine Strafen doch genau das sind, was sie sich wünscht? Aber ohne Widersprüche kommt wohl kein Mensch aus.

Das Ganze liest sich informativer, sachlicher und interessanter, als der „lustige“ Buchtitel mit dem Liebe-auf-den-ersten-Blick-Wortspiel vermuten lässt. Für alle interessierten Nicht-SMler ergeben sich spannende Einblicke und Gelegenheiten, eventuelle Vorurteile abzubauen; für SM-Interessierte, die noch am Anfang ihrer Sklaven- oder Herren-Laufbahn stehen, enthält das Buch sicher ein paar hilfreiche Ratschläge. Eins ist es jedoch ganz sicher nicht: eine Wichsvorlage mit Bildern oder expliziten Beschreibungen diverser Praktiken. Den ganzen Rest muss man sich schon selber denken.

„Liebe auf den ersten Hieb – Ein SM-Leitfaden für Paare“ gibt es bei Amazon

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Miss Kaya Mia,
    vielen Dank für diesen Buchtipp und Ihre Kommentare. Haben Sie für den devoten Herrn noch weitere Buch- oder Filmempfehlungen, die ihn zu einem „besseren“ Sklaven formen können?

    Vielen Dank.
    Auf den Knien, hochachtungsvoll, Diener_Bln

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